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Wildunfälle mit dem Motorrad bestmöglich vermeiden | 7 Tipps

Immer wieder hört man in der Motorradszene von desaströsen Wildunfällen, gerade wenn die Motorradsaison wieder begonnen hat. Oft enden diese unverschuldeten Unfälle mit schweren Verletzungen oder sogar tödlich. Gerade wenn keine ausreichende Motorradschutzkleidung getragen wird, tragen die Biker schwere Schürfwunden und offene Schnittwunden davon, welche mit großen Schmerzen verbunden sind. Besonders dann, wenn man auf einer abgelegenen Landstraße liegt und der Rettungswagen einige Zeit braucht, um endlich helfen zu können. Ich lebe und arbeite im Kreis Tübingen in Baden-Württemberg. Hier sind viele Wälder und eine große Population an Hirschen, Rehen und Wildscheinen.

Wildunfall mit dem Motorrad: Was tun?

Da ich mit diesen Gegebenheiten täglich als Motorradfahrer konfrontiert werde, weiß ich, dass viele Wildunfälle praktisch nicht zu vermeiden sind. Für Motorradfahrer sind hier nicht nur die großen Tiere gefährlich, sondern auch kleinere Tiere wie Füchse, Igel und Hasen. Ein Problem ist auch, dass die wilden Tiere ihre Scheu gegenüber dem Menschen immer mehr verlieren und so hört man wöchentliche Nachrichten, von Kleingärtnern, die von Wildscheinen oder Hirschen, um ihr angepflanztes Gemüse gebracht wurden. Man muss also heutzutage als Motorradfahrer nicht mehr nur auf Feldwegen oder Waldstrecken auf der Hut sein, sondern auf allen Straßen. Denn ein wildes Tier ohne Scheu, auf der Suche nach Futter kann hinter jeder Kurve unerwartet auftauchen.

1. Wo wechseln Wildtiere am häufigsten die Straße?

Wilde Tiere aus dem Wald kennen die strengen Verkehrsregeln in Deutschland nicht. Für sie ist die Überquerung der Straße oft die einzige Möglichkeit, um an Futter zu kommen oder einen Partner für die Fortpflanzung zu finden. So solltest du besonders auf Straßen die durch einen Wald führen und an Wald- und Feldrändern, besonders aufpassen und deine Hand vom Gashebel nehmen. Denn schon bei einer Reduzierung der Geschwindigkeit um 20 km/h verringert sich dein Bremsweg enorm.

Es gibt mehr Wildtiere in Deutschlands Wäldern als du denkst.

Es gibt mehr Wildtiere in Deutschlands Wäldern als du denkst.

2. Zu welcher Jahreszeit und Uhrzeit ist ein Wildwechsel am wahrscheinlichsten?

Besonders im Herbst, wenn die Tage kürzer werden und es kühler wird, kommt es zu mehreren Wildunfällen. Am gefährlichsten ist es im Oktober, November und Dezember, da hier die jährliche Brunftzeit ist. Am gefährlichsten ist es am Abend in der Nacht und am Morgen. Dies hat den Grund, dass die Tiere besonders ab 17:00 Uhr bis 08:00 aktiv sind. Fahre also vorausschauend um ein wildes Tier frühzeitig auf der Straße erkennen zu können. Wie du dir sicher schon gedacht hast werden Motorradfahrer durch Wildunfälle häufiger verletzt oder getötet als Autofahrer. Dies liegt hauptsächlich an der schützenden Hülle, die man beim Autofahren um sich hat, darum lieber langsamer fahren.

3. In welchem Bundesland ist die Gefahr eines Wildunfalls am größten?

Es verwundert mich nicht, dass ich Baden-Württemberg als Erstes nennen muss, dicht gefolgt von Bayern, Brandenburg und Berlin. Aber auch Hamburg, Bremen und Hessen sind weiter oben zu platzieren. Das Mittelfeld belegen die Bundesländer Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen. Die anderen Bundesländer sind im unteren Drittel angesiedelt, was jedoch nicht heißt, dass du jetzt blind auf deinem Motorrad über die Straßen fahren kannst. Denn auch wenn die Wahrscheinlichkeit so gering wie im Lotto ist, kann es dich treffen.

4. Wie kannst du mit deinem Motorrad einen Wildunfall optimal vermeiden?

Um aus der Statistik fallen zu können, musst du wie ein Jäger denken. Wenn du oft in Gegenden mit einer großen Wildpopulation fährst, lohnt es sich auf jeden Fall passenden Seiten in den Sozialen Webseiten zu folgen. Lese die aktuellen Beiträge, wie du es gerade auch tust. Noch besser nehme an einer Jägerschulung teil und informiere dich über die Gewohnheiten der schönen Tiere des Waldes. Wenn du weißt wie ein Hirsch, Wildschwein oder ein Reh denkt, wirst du viel unwahrscheinlicher mit einem Wildtier kollidieren.

Hast du ein Reh am Straßenrand entdeckt, sei vorsichtig und bremse stark ab. Mache deine Warnblinker an, um dich zu schützen und andere Verkehrsteilnehmer zu warnen, sei natürlich jederzeit bremsbereit. Auch wenn du das Reh nur noch im Rückspiegel des Motorrads siehst, bleibe auf der Hut ein Reh ist selten alleine und das nächste kann gleich hinter einer Hecke auf die Straße springen. Das gleiche gilt natürlich auch für andere Herdentiere wie beispielsweise Wildschweine und den Wolf, der wieder immer mehr Land und Waldgebiete in Deutschland zurückerobert.

Gerade wenn Wildtiere in Panik geraten, versuchen sie im Zickzackkurs zu entkommen. Hier ist die Gefahr sehr groß, dass sie deinen Weg erneut kreuzen werden, also pass auch dich auf! Um Wildtiere, die von der Außenseite auf die Straße gelangen bestmöglich ausweichen zu können, halte ich mich eher in der Mitte der Fahrbahn. So kann ich notfalls besser ausweichen, indem ich auf die Fahrbahn des Gegenverkehrs fahre. Achte hier natürlich darauf, dass die Straße frei für ein Ausweichmanöver ist.

Du siehst das Motorrad, aber siehst du auch, was sich im tiefen Wald dahinter verbirgt?

Du siehst das Motorrad, aber siehst du auch, was sich im tiefen Wald dahinter verbirgt?

5. Gute Motorradfahrer können Wildunfälle besser vermeiden

Ein weiterer Punkt ist natürlich dein Fahrvermögen. Wie gut hast du dein Motorrad im Griff? Wenn du denkst, dass du noch mehr potential hast und noch besser werden kannst, dann arbeite an deinem Fahrverhalten. Wenn du dein Fahrerisches Können schlecht selber einschätzen kannst, frag deine Motorradfreunde. Arbeite an der Gefahrenbremsung und an Ausweichmanövern, schau in Google.de nach, ob es in deiner Nähe passende Motorradkurse von Experten gibt. Eine perfekte Vollbremsung mit dem Bike hilft jedoch auch nichts, wenn deine Bremsen schon zu stark abgenützt sind. Deswegen gilt für dich auch immer dein Motorrad auf eine bestmögliche Funktionsfähigkeit zu prüfen.

Wenn du dir nicht sicher bist, lass dein Motorrad in einer vertrauenswürdigen Werkstatt überprüfen. Ich weiß das eine Überprüfung und eine Montage neuer Bremsen viel Geld kostet. Ich bin ein Schwabe und drehe normalerweise jeden Euro zweimal um bevor ich ihn ausgebe, aber Sicherheit hat nun mal Ihren Preis und dein Leben und deine Gesundheit sollten es dir wert sein. Deswegen kann ich dir auch nur raten immer mit einer sicheren Motorradschutzkleidung zu Fahren. Eine weitere gute Vorgehensweise ist sich mit der möglichen Gefahr eines Wildunfalles mental auseinanderzusetzen. Stell dir vor wie du reagierst, wenn ein wildes Tier auf der Straße deinen Weg kreuzt. Diese mentale Vorbereitung lässt dich in der Gefahrensituation souveräner reagieren, dass gilt auch für andere Gefahrensituationen.

Einer meiner Motorradfreunde fragte mich, ob es nicht sogar besser wäre, die Geschwindigkeit zu erhöhen, wenn man einen Hirsch auf der Straße sieht. Seine Begründung war, dass er dann unwahrscheinlicher von dem Hirsch getroffen würde, da er schneller an ihm vorbeikommen würde. Ich musste ihn aber leider aus seiner Illusion befreien, denn je höher die Geschwindigkeit ist, umso gefährlicher wird es. Durch die kinetische Energie reicht nur eine leichte Berührung, ja fast schon ein niesen des Hirsches bei hoher Geschwindigkeit aus, um den Motorradfahrer die Kontrolle über sein Bike verlieren zu lassen und wie gesagt wer sagt denn dass der Hirsch alleine unterwegs ist und nicht gleich sein ganzes Gefolge unerwartet aus dem Dickicht auftaucht.

Bremsen kann man im Gegensatz zu deinem Leben einfach erneuern, also investiere in sie!

Bremsen kann man im Gegensatz zu deinem Leben einfach erneuern, also investiere in sie!

6. Wo ist die Gefahr für einen Wildunfall am größten?

Informiere dich, wo es in deiner Gegend häufig zu Wildunfällen kam, denn wilde Tiere nutzen meist die gleichen Wege und tauchen so sehr wahrscheinlich dort wieder auf. Besonders wenn du auf dem Land fährst, ist die Gefahr eines Wildunfalles besonders groß. Hier gilt es immer wachsam zu sein und auf warnende Verkehrsschilder oder Zeichen anderer Motorradfahrer zu achten. Machst du beispielsweise eine Motorradtour in den Alpen, dann musst du auch mit Bergziegen oder Schafen auf der Straße rechnen.

Da du nicht weißt, was dich hinter der nächsten Kurve erwartet fahre hier auch lieber etwas langsamer und so vorausschauend wie möglich. Viele Motorradfahrer scheren sich nicht um die Gefahren und spielen russisches Roulett mit ihrem Leben. Dass du dich hier informierst, ist aber ein gutes Zeichen, dass du nicht zu diesen lebensmüden Motorradfahrern gehörst. Beobachte den Straßenrand, schaue nach Stellen, die du schlecht überblicken kannst und gebe hier besonders Acht. Besonders an Stellen an denen der Waldrand keine zwei Meter von der Straße entfernt ist, ist die Gefahr von einem Wildtier überrascht zu werden sehr groß.

Wenn du in einer Gruppe von Motorradfahrern unterwegs bist, solltet ihr in einer passenden Formation fahren und genügend Abstand zueinander halten. Den genauen Umgang zum Fahren in der Gruppe findest du in unserem Beitrag »10 Tipps für das Fahren in Motorradgruppen«. Am besten ist, wenn ihr über ein Bluetooth Headset miteinander verbunden seid, so kann der Motorradfahrer der ein Wildtier am Straßenrand oder auf der Straße sieht, alle bestmöglich warnen. Habt ihr kein Kommunikationssystem, müsst ihr zu anderen Methoden greifen, wie Handzeichen, hupen, aufleuchten des Bremslichtes oder Betätigung der Warnblinker. Vergesst auch nicht den entgegenkommenden Verkehr vor der bestehenden Gefahr zu warnen.

7. Vorsicht Wildwechsel!

Wenn du in der Dunkelheit mit deinem Motorrad auf einer Straße unterwegs bist, auf der das Risiko sehr hoch ist, dass ein Hirsch oder ein anderes Tier deinen Weg kreuzt, dann passe deine Geschwindigkeit an die Stärke deiner Scheinwerfer an. Haben deine Scheinwerfer keine große Reichweite, ist es auf jeden Fall zu empfehlen langsamer zu fahren. Wenn ich in der Nacht mit dem Motorrad unterwegs bin, setze ich mich immer hinter ein Auto. Das hat zum einen den Grund, dass das Auto mir als »Hirschfänger« dient und ich durch die starken Scheinwerfer des Autos vorausschauender fahren kann. Natürlich ist es hierbei wichtig genug Abstand zum Auto zu halten, dass man im Fall einer Vollbremsung des Autos nicht auffährt. Hirsche sind in der Nacht sehr schlecht zu erkennen. Die beste Möglichkeit einen Hirsch von weitem zu sehen sind die Augen, die das Scheinwerferlicht wie die zahlreichen Reflektoren am Straßenrand reflektieren.

Halte deine Augen offen, um sie nicht vor Schmerzen zusammenkneifen zu müssen.

Halte deine Augen offen, um sie nicht vor Schmerzen zusammenkneifen zu müssen.

Was tun nach dem Wildunfall mit dem Motorrad?

Wenn du in einen Wildunfall verwickelt bist oder einen anderen Menschen siehst der einen Unfall erlitten hat, gilt es vor allem Ruhe zu bewahren und schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen. Fahre nicht einfach weiter, du wärst auch froh, wenn dir geholfen wird!

  • Melde den Wildunfall bei der Polizei oder dem örtlichen Förster
  • sichere die Unfallstelle und helfe verletzten Personen bestmöglich, ohne dich dabei selbst in Gefahr zu bringen.
  • wenn das Tier überlebt hat und verletzt geflüchtet ist, gebe der Polizei die Richtung weiter, in die sich das Tier entfernt hat
  • fasse das Tier nur mit deinen Motorradhandschuhen und nicht mit den bloßen Händen an
  • auf keinen Fall das verunglückte Tier mitnehmen, da dies den Tatbestand der Wilderei erfüllen würde
  • wenn das Tier nicht überlebt hat, schaffe es von der Straße, wenn dies unter Berücksichtigung deiner Sicherheitserhaltung möglich ist

Wildunfall: Zahlt die Versicherung?

Im Gegensatz zu der einfachen Haftpflichtversicherung, kommt in der Regel die Teilkaskoversicherung für den durch den Wildunfall entstandenen Schaden auf. Um sicherzugehen schau in deinem Vertrag der Versicherung nach oder rufe die Kundenhotline deiner Versicherung an.

Abschließend lässt sich sagen, dass Wildunfälle schwer zu vermeiden sind, auch wenn du unsere Tipps zum Vermeiden von Wildunfällen gelesen hast. Ich kenne viele Beispiele von Motorradfreunden, die einfach zu falschen Zeit am falschen Ort waren und von einem Wildtier von dem Motorrad geholt worden sind. Überlebt haben sie nur, weil sie die richtige Schutzkleidung und einen sicheren Motorradhelm getragen haben. Wenn du noch einen guten Tipp zum Vermeiden von Wildunfällen für Motorradfahrer hast, dann bitten wir dich diesen als Kommentar zu ergänzen.

Genieße deine Fahrt!

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Wacht öfter neben seinem Motorrad, als neben seiner Freundin auf